Iriyas Himmel, Sommer der UFOs 5

Vorwort Episode 1 Episode 2 Episode 3 Episode 4 Episode 5 Episode 6 Analyse

Iriya no Sora, UFO no Natsu / Episode 5: Der letzte Weg


Das Schlachtschiff Ticonderoga durchpflügt die Wellen auf hoher See… Iriya fährt mitten in der Nacht in ihrem Rollstuhl in die Schiffskantine und sieht dort an einem gedeckten Tisch ein rothaariges Mädchen auf sie warten:

Iriya: Erika?
Iriya: Du lebst ja!
Wörtlich "buji datta no" = "Du hast es tatsächlich geschafft, in Sicherheit zu sein". Aber ich möchte den Aspekt des Todes an dieser Stelle betonen, weil er eine wichtige Rolle in der gesamten Episode spielen wird.
Iriya: Du hast es also doch noch geschafft…
Eigentlich "Du bist also doch zurückgekehrt". Aber auch dies betont nicht die Gefahrensituation, an welche Iriya sich noch erinnert (nur nicht an den Ausgang der Szene).

Dies ist eine falsche Erinnerung, welche in Iriya durch einen Verdrängungsmechanismus entstanden ist: Das Mädchen glaubt, Erika habe den schicksalhaften Einsatz (bei welchem Iriya den Black Manta ihrer letzten noch lebenden Freundin abschießen musste) doch irgendwie überstanden, weil sie die Schuldgefühle, Erika umgebracht zu haben, nicht ertragen kann.

Iriya: Erika…

Doch das Phantom-Mädchen antwortet ihr nicht.


Der Titel der Episode:

Schild: Der letzte Weg

Die Kamera zeigt das Panorama einer verlassenen Schule:

Iriya: Unsere geheime Basis?

Eine verlassene Grundschule, laut Roman in einer Stadt namens Kikuni.

Naoyuki: Ohne besonderen Grund hatten wir beschlossen, in Richtung Süden zu marschieren.

Immerhin ist das weg von der Nordgrenze – die "Nordallianz" hatte ja einen Raketenangriff auf Sonohara durchgeführt. Keine schlechte Entscheidung also. Außerdem wohnen in dieser Richtung Naoyukis Großeltern.

Schild: Aufgrund des Ausnahmezustandes geschlossen
Schild: Narimasu-Grundschule
Typesetting: Transformation – der Font muss kleiner werden!

Eine leere Turnhalle, ein herumliegender Basketball…

Naoyuki: Zwei Tage lang waren wir ständig unterwegs, auf der Suche nach einer sicheren Unterkunft.
Naoyuki: Einem Ort, wo wir kostenlos übernachten konnten, um Schutz vor Regen und Tau zu finden.

Der Anime heißt zwar "Sommer der UFOs", aber wir haben inzwischen späten September. Sonohara liegt vermutlich in der Präfektur Nagano (es gibt ein Skigebiet mit diesem Namen), also nördlich von Tokyo – und da ist es um diese Jahreszeit wahrscheinlich schon ziemlich kalt.

Naoyuki: Und außerdem durften wir dort nicht zuviel Aufsehen erregen.

Um dies zu erleichtern, opfert Iriya ihrem Friseur Naoyuki die auffällig lange Haarpracht:

Naoyuki: So, das hätten wir.

Iriya schüttelt sich, steht auf und tanzt in ihrem Umhang umher:

Iriya: Mein Kopf fühlt sich viel leichter an, und mein Rücken ist ganz warm.

Aufgrund des Körperkontaktes zu Naoyuki womöglich? Am Sonnenschein auf ihrem nun nicht mehr von Haaren bedeckten Rücken kann es ja kaum liegen.

Naoyuki: Und? Besser so?

Iriya sieht nun fast wie ein Junge aus – aber sie nickt zufrieden.

In einem der leeren Räume stöbern die beiden eine Katze auf;

Schild: Nachtdienst

Iriya füttert die Katze mit einem Schälchen Milch:

Iriya: Darf ich die behalten?
Schild: M I L C H
Naoyuki: Hm, also…
Iriya: Ich sorge auch ganz alleine für sie!

Gegen diesen süßen Blick schmilzt Naoyukis Skepsis wie Butter in der Sonne:

Naoyuki: Und wie wollen wir sie nennen?

Iriya ist erleichtert und glücklich:

Iriya: Was hältst du von "Kouchou"?
Anmerkung: "kouchou": Schulleiter
Naoyuki: Wieso denn das?
Iriya: Ich finde, er hat denselben Schnurrbart.

Beschriftung auf dem Wasserkessel:

Schild: Nachtdienst

Während Naoyuki für das leibliche Wohl sorgt, hat Iriya sich (vermutlich aus dem Physiklabor der Schule) einen Lötkolben geschnappt und bastelt damit an einem der mitgebrachten Mobiltelefone herum (von denen sie ihren ganzen Helm voll vor sich liegen hat).

Naoyuki: Was bastelst du da?
Iriya: Eine Unterbrecherschaltung.
Iriya: Sobald die Tür geöffnet wird, wird der Schaltkreis getrennt…
Iriya: …und das Telefon wählt automatisch eine vorher eingestellte Nummer.
Iriya: Wenn ich davon mehrere baue und sie auf alle Eingänge verteile,…
Iriya: …kann ich an der gewählten Nummer erkennen, aus welcher Richtung der Feind kommt.

Der Junge ist beeindruckt von Iriyas Fähigkeiten (militärische Elektronik-Ausbildung?) und lässt einen Moment lang in seiner Konzentration nach:

Naoyuki: Hm…
Naoyuki: Autsch!
Naoyuki: Ist das heiß…

Später am Abend stapelt Asaba Münzen auf, um seine Barmittel zu zählen; Iriya nimmt derweil ein heißes Bad und fürchtet sich offenbar alleine im Dunkeln:

Iriya: Asaba, bist du noch hier?
Naoyuki: Ja, bin ich.
Iriya: Asaba, bist du hier?
Naoyuki: Klar doch.

Ob Iriya wohl insgeheim mit Asaba zusammen baden wollen würde, um sich nicht so alleine zu fühlen? Falls es so wäre, traut sie sich jedenfalls nicht, dies explizit zu sagen.

Iriya: Asaba…
Iriya: …ich komme jetzt raus.

Instinktiv hält sich der schüchterne Junge die Hand vor die Augen, dreht sich um und will weglaufen – dabei wirft er die mühsam aufgebauten Münz-Stapel um.

Iriya: Alles in Ordnung mit dem Geld?

Im Roman erfahren wir, dass Iriya natürlich einen Ausweis besitzt, mit dem sie Zugriff auf ein Bankkonto des Militärs hätte (ihre dunkelgraue Telefonkarte). Aber entsprechende Abhebungen würden die Verfolger auf ihre Spur bringen. Naoyuki selbst hat laut Roman (wo die Flucht nicht ganz so überstürzt abläuft) seine gesamten Ersparnisse von etwa 100000 Yen an Bargeld mitnehmen können – davon werden die beiden nun also leben müssen.

Naoyuki dreht sich um, um zu antworten, sieht aber, dass Iriya nur ein Handtuch übergeworfen hat, und wendet seinen Blick sofort wieder dezent ab.

Naoyuki: Na ja, wenigstens müssen wir hier weder Licht noch Heizung bezahlen…

Später am Abend: Naoyuki und Iriya übernachten gemeinsam auf einem Futon, mit der Katze zwischen sich. Nachdenklich betrachtet der Junge das schlafende Mädchen…

Naoyuki: Eine Geheimbasis nur für uns beide…

…und löscht dann das Licht der Lampe aus. Iriya bleibt für den schüchternen Naoyuki unantastbar – seine erotischen Wünsche wird er am nächsten Tag in einer anderen Richtung ausleben.


Schild: Aufgrund des Ausnahmezustandes geschlossen
Schild: Narimasu-Grundschule
Naoyuki: Wir hielten uns für unbesiegbar.

Aber auf die Dauer bleibt ihr Aufenthalt in der Schule doch nicht unbemerkt (u. a. der Dampf, der während Iriyas Bad aus dem Fenster aufgestiegen ist) – inzwischen sind sie schon Tagesgespräch in dem Geschäft, in welchem Naoyuki neue Vorräte einkaufen geht.

Text: Ich habe davon gehört.
Text: Sie meinen das Gespenst der Narimasu-Grundschule?
Text: Wie? Davon wissen sie schon?
Text: Sie meinen doch diese weißhaarige Frau, die auf dem Dach der Schule erscheint?

Das ist offensichtlich Iriya, die wir später noch öfter auf Dächern sitzen sehen werden.

Ein Kunde des Ladens mit dichtem Bart, Kappe und Rucksack (offensichtlich kein Ortsansässiger) hört aufmerksam zu.

Text: Vielleicht sollten wir es der Polizei melden?
Text: Ach, das bringt doch nichts.
Text: In solchen Zeiten…

Inzwischen ist der Kriegszustand ausgerufen worden, was Naoyuki und Iriya in ihrem Versteck allerdings nicht mitbekommen haben.

Yoshino: In der Narimasu-Grundschule?

Der schweigende Fremde mit den wirren Haaren kauft ein Feuerzeug:

Text: Das macht 740 Yen inklusive Mehrwertsteuer.

Als Naoyuki den Laden verlässt, rempelt er aus Versehen den Fremden an:

Naoyuki: Ah – entschuldigen Sie bitte.

Der Fremde dreht sich erstaunt nach dem Jungen um.

Im Roman ist Yoshino eine wesentlich wichtigere Gestalt als im Anime. Dort wohnen er und die beiden Kinder mehrere Tage lang gemeinsam in der Schule und freunden sich sogar an, bevor es zu dem nachfolgend beschriebenen Zwischenfall kommt. Umso härter trifft die Kinder der Schlag, von Yoshino verraten worden zu sein.


Während Naoyuki einkauft (und mit Entsetzen die drastisch gestiegenen Preise wahrnimmt), bewegt sich der Fremde auf die Schule zu. Iriya spült Geschirr und hat eines ihrer Mobiltelefone vor sich liegen. Naoyuki durchstöbert im Laden derweil die "anregenden" Mangas für "junge Erwachsene". Der Fremde dringt in die Schule ein, schnappt sich (gegen den Widerstand des mutigen Kätzchens) eine große Umhängetasche und liest den darauf stehenden Namen des Besitzers:

Yoshino: "Asaba"…

In diesem Moment hat die (über ihr Alarmsystem vorgewarnte) Iriya den Eindringling gestellt:

Iriya: Wer sind Sie?
Yoshino: Ich soll hier etwas abholen.

Auch auf dem Mobiltelefon in Naoyukis Hosentasche hat der Alarm angeschlagen, doch der Junge ist gerade schwer beschäftigt mit dem Betrachten junger Frauen in Bademoden… der Ladeninhaber betrachtet seinen Kunden, der anscheinend nur lesen, aber nichts kaufen will, bereits mit erheblichem Misstrauen.

Der Fremde improvisiert derweil eine Lüge, um mit seiner Beute abhauen zu können:

Yoshino: Asaba-kun hat mich gebeten, die Tasche mitzubringen.

Das ist neutral gehalten und schwer zu widerlegen. Er muss nicht einmal wissen, ob "Asaba" ein Junge oder ein Mädchen ist. (Und ich denke, das weiß er auch nicht – wie soll er Naoyuki, dem er an der Ladentüre begegnet ist, angesehen haben, dass er in dieser Schule haust?

Iriya: Das ist gelogen.
Yoshino: Was soll das heißen?
Yoshino: Ich sage die Wahrheit.
Iriya: Das hier ist unsere geheime Basis.
Iriya: Asaba würde nie jemandem davon erzählen!

Mutig versucht das schmächtige Mädchen, dem viel größeren Mann die Tasche zu entreißen – und schafft das sogar! Mit blitzenden Augen faucht sie den Fremden an:

Iriya: Scher dich zum Teufel, du Bastard!

Ja, Iriya im Kampfmodus benimmt sich nicht immer ladylike… wir haben das schon erlebt, als sie sich in Episode 4 vom Lehrer losgerissen hat.

Der Fremde ist nun auch sauer geworden, lässt seinen Rucksack und seine Kappe fallen und geht auf das Mädchen los. Iriya läuft mit Naoyukis kostbarer Tasche davon, welche sie mit ihrem Leben zu verteidigen gedenkt, und der Mann hinterher… Iriya versucht, sich in der Turnhalle zu verschanzen, doch der Mann schafft es gerade noch, seinen Fuß in die Türöffnung zu stellen. Drohend geht er auf das Mädchen zu…

Naoyuki ist derweil mit seinem Einkauf fertig:

Das hier wird eine anspruchsvolle Aufgabe für das Typesetting:
Schild: Rasierklingen
Schild: Katzenfutter in Dosen
Schild: zusammen

In der Schule zerreißt der Mann Iriya die Bluse, fällt über sie her und hält sie am Boden fest. Als er ihre metallische Einlage am Handgelenk entdeckt, schrickt er zurück – und Iriya nutzt die Gelegenheit, ihr Messer zu ziehen…


Gebannt steht Naoyuki auf dem Schulhof und sieht, wie ihm der fremder Mann aus dem Laden langsam entgegen kommt und zu allem Überfluss bei jedem Schritt eine stark blutende Wunde am linken Bein aufweist! Erst jetzt zieht er sein Mobiltelefon aus der Tasche und sieht, dass der von Iriya eingestellte Alarm aktiv ist. Naoyuki sucht in der Schule fieberhaft nach Iriya, kann diese jedoch zunächst nicht finden. Doch auf dem Schulhof hört er das "Miau" von Kouchou – und in der Turnhalle entdeckt er dann das zitternde und schwer atmende Mädchen…

Naoyuki: Iri…

…, mit zerrissener Bluse und dem blutigen Messer in der Hand!

Iriya: Mir ist nichts passiert.
Iriya: Wirklich.
Iriya: Er hat mich bloß gepackt und auf den Boden geworfen.

Langsam löst sich die Spannung bei Naoyuki, der erleichtert aufatmet.

Naoyuki: Ich bin ganz schön erschrocken.
Naoyuki: Komm, tu das Messer weg.
Naoyuki: Wollen wir was zu Abend essen?

Nicht gerade aufbauende Worte für das Mädchen, das um Haaresbreite einer Vergewaltigung entgangen sein dürfte! Aber der Junge ist mit der Situation völlig überfordert.


Der Fremde hat sich derweil zu einer Telefonzelle geschleppt und vermutlich die Polizei angerufen, dann aber zusammengebrochen.

Text: Hallo? Was ist passiert?
Text: Hallo? Melden Sie sich!

Zurück in die Schule:

Naoyuki: Ich war im Minimarkt einkaufen.
Naoyuki: Nudelsuppe, Zahnpasta und vieles andere sind plötzlich viel teurer als bisher.

Vermutlich Hamsterkäufe und Versorgungsengpässe aufgrund des Kriegsausbruchs – kein Wunder.

Naoyuki: Es ist kaum zu fassen.

Beide gießen die Flüssigkeit aus je einer Dose ins Spülbecken; Iriya zittert aber immer noch so sehr, dass ihr dabei die ganzen Nudeln ins Spülbecken fallen.

Naoyuki: Macht nichts, dann teilen wir uns eben meine Portion.

Iriya hält die Anspannung kaum noch aus…

Naoyuki: Tut mir Leid, es ist alles meine Schuld.

In der Tat: Hätte der Junge sich nicht mit dem Pornoheftchen vergnügt, dann wäre er vielleicht rechtzeitig nach Hause gekommen, um Iriya zu helfen.

Naoyuki: Ich habe dir noch nicht alles erzählt.
Naoyuki: Ich fand die Preise dann doch zu hoch,…
Naoyuki: …also habe ich im Laden ein bisschen gelesen, um die Gelegenheit auszunutzen.
Naoyuki: Schließlich habe ich nur das Katzenfutter und die Rasierklingen gekauft.

Im Roman hat er auch noch ein Pornoheft gekauft und entsprechend "benutzt" – was seine Rückkehr zur Schule zusätzlich verzögert hat…

Naoyuki: Deshalb…
Iriya: Es ist nichts passiert!

Iriya ist verzweifelt bemüht, Naoyuki klar zu machen, dass sie wirklich noch Jungfrau ist – sie hat furchtbare Angst, ihn zu verlieren, falls er glaubt, bei ihr nicht mehr der Erste sein zu können. (Japanische Frauenrolle?)

Naoyuki: Deshalb…

Der hilflose Naoyuki versucht immer noch, seine Geschichte fertig zu erzählen und die Situation zu ignorieren, aber:

Iriya: Ich wollte ihn umbringen.

In diesem Moment klingelt eines der Mobiltelefone – Iriyas Vorwarnsystem in Aktion. Das Geheimversteck ist aufgeflogen – die Polizei hat einen anonymen Anruf erhalten und will sich die Schule mal näher ansehen.


Die Kinder schnappen sich ihre Sachen – aber:

Iriya: Was ist mit Kouchou?
Iriya: Wir müssen Kouchou mitnehmen!
Naoyuki: Jetzt vergiss doch mal die Katze.
Naoyuki: Wir müssen schnell weg hier!

Erneut findet Naoyuki nicht die richtige Wellenlänge zu Iriya – angesichts der Situation verständlich, aber seine Bindung zu dem Mädchen geht gerade Stück für Stück in die Brüche.

Iriya: Nein – Kouchou muss auch mitkommen.
Iriya: Ich will, dass Kouchou bei uns ist!
Iriya: Wir drei gehören doch zusammen…
Naoyuki: Also gut.
Naoyuki: Ich gehe Kouchou holen.
Naoyuki: Du gehst schon mal vor, und ich komme später nach.

Einen Treffpunkt hat Naoyuki in der Eile auch nicht vereinbart – wie soll er Iriya wiederfinden, wenn er Kouchou tatsächlich gefunden hat? Im Roman haben Iriya und Naoyuki zuvor abgemacht, erst einmal in den nahe gelegenen Wald zu fliehen.

Naoyuki: Los, beeil dich!

Im Roman hat Naoyuki an dieser Stelle gar nicht ernsthaft vor, die Katze mitzunehmen, tut es später aber doch.

Iriya zögert, aber Naoyuki legt ihr die Hand auf die Schulter:

Naoyuki: Ich verspreche dir, dass ich Kouchou finden und mitbringen werde.
Iriya: Asa…
Naoyuki: Jetzt mach schon!
Naoyuki: Lauf!

Naoyuki hält das Risiko, sich wegen dieser Katze von der Polizei erwischen zu lassen, nicht für vertretbar, beißt aber um Iriyas Willen in den sauren Apfel. Es raubt ihm aber den letzten Nerv – die Ereignisse der letzten Minuten waren einfach zuviel für ihn. (Und im Roman kommt noch hinzu, dass Naoyuki ungefähr zu diesem Zeitpunkt merkt, dass Yoshino ihm sein Bargeld geklaut hat.)


Iriya wartet im Regen am Bahnhof Kakinuma auf Naoyukis Eintreffen, und schließlich…

Iriya: Asaba…!

…trifft auch der Junge ein, patschnass und erschöpft. Er wirft dem Mädchen die Katze zu und geht an ihr vorüber, ohne sie eines Blickes zu würdigen.


Naoyuki geht auf den Bahngleisen durch die Nacht; mit ein paar Schritten Abstand folgt ihm Iriya, die sein Tempo kaum noch mithalten kann. Schließlich stolpert sie über eine Bahnschwelle, doch Naoyuki wendet sich nicht einmal um und geht einfach weiter.

Iriya: Es ist nichts passiert.

Naoyuki bleibt stehen.

Iriya: Wirklich!
Iriya: Nichts ist passiert! Gar nichts!

Wütend reißt Naoyuki sich das Pflaster von seinem Hals. Statt Iriya die moralische Unterstützung zu gewähren, die das Mädchen in diesem Moment mehr als je zuvor nötig hätte, lässt er seinen Frust an ihr aus:

Naoyuki: Das interessiert mich nicht.
Naoyuki: Mir ist völlig egal, was passiert ist!
Naoyuki: Was geht mich das denn an?
Naoyuki: Es macht mich echt fertig, dass du das ständig wiederholst!

Was soll er darauf auch antworten? "Dann lass es uns jetzt tun, damit wir es hinter uns haben" vielleicht?

Naoyuki: Ich habe es satt, mir dein Gejammer anzuhören!
Naoyuki: Ich habe die Nase voll von dir!
Naoyuki: Hör auf, mir nachzulaufen!
Naoyuki: Ich will dich nie wieder sehen!!

Das ist mehr, als Iriya verkraften kann. Laut schreiend bricht sie zusammen. Instinktiv läuft Naoyuki zu ihr hin, um nach ihr zu sehen – doch zack! Ein tiefer Schnitt über dem rechten Handrücken macht ihm bewusst, dass Iriya ihr Messer immer noch bei sich trägt.

Iriya: Ich wollte ihn umbringen…

Iriya kommt wieder zu Sinnen, sieht, was sie angerichtet hat – und flippt nun völlig aus. In panischer Angst rennt Naoyuki davon:

Naoyuki: Du irres Biest!
Naoyuki: Sieh zu, wie du alleine zu deiner Basis zurück findest!
Naoyuki: Putz dir deine Nase doch selber, wenn sie blutet!

Nach einiger Zeit kehren beide zum Bahnhof Kakinuma zurück. Naoyuki hat sich wieder einigermaßen beruhigt (und erstaunlicherweise spielt seine stark blutende Wunde ab hier keine Rolle mehr… hat Iriya sich diese Szene nur eingebildet?):

Naoyuki: Tut mir echt Leid.
Naoyuki: Das habe ich alles nicht so gemeint.
Naoyuki: Lass uns von hier verschwinden.
Naoyuki: Hast du Hunger?
Naoyuki: Komm, in der nächsten Stadt gehen wir zusammen Essen.

Als ob die beiden sich das leisten könnten – finanziell bzw. mit ihrem inzwischen ziemlich abgerissenen Aussehen.

Naoyuki: Iriya…

Aber es ist bereits zu spät:

Iriya: Ich komme nicht mit. Ich warte.
Naoyuki: Auf wen denn? Auf jemanden von der Basis?

Der Junge glaubt, Iriya habe seine Worte ernst genommen und wolle tatsächlich zur Sonohara-Basis zurück. Das wäre wohl das Ende ihrer Verbindung. Aber ihre tatsächliche Antwort trifft ihn noch viel tiefer:

Iriya: Ich warte auf Asaba.

Naoyuki glaubt, dass Iriya mit ihm spielt und ihn schneidet, weil er sich so unmöglich benommen hat – in gewisser Weise war er ja tatsächlich nicht "er selbst" in der Szene zuvor.

Naoyuki: Hör mal, es tut mir wirklich Leid, dass ich so ausgeflippt bin.
Naoyuki: Jetzt sei doch nicht so…
Iriya: Ich warte auf Asaba.

Erst in diesem Moment wird dem Jungen klar, was los ist: Iriya erkennt ihn nicht mehr!

Naoyuki: Iriya…?
Naoyuki: Iriya…
Naoyuki: …wer bin ich?

Aber Iriya antwortet nicht. Sie ist in ihr autistisches Verhaltenmuster zurückgefallen. Wenn Enomoto diese Szene beobachten könnte, wäre er vermutlich ähnlich verzweifelt wie Naoyuki…


Am nächsten Tag stehen die beiden an einer Bushaltestelle. Vermutlich ist inzwischen kein geregelter Busverkehr mehr, und Naoyuki will auch zu Fuß weiter:

Naoyuki: Komm, wir gehen.

Aber diese Bushaltestelle weckt eine Erinnerung in Iriya:

Iriya: Was ist mit Asaba?
Iriya: Asaba ist noch nicht da.
Iriya: Ich warte, bis Asaba hier ist.

Naoyuki kommt eine Idee:

Naoyuki: Asaba… hat gesagt, er will da vorne an der Brücke auf dich warten.
Naoyuki: Komm, wir gehen.

Aber Iriya spuckt nur noch zufällige Erinnerungen aus:

Iriya: Green Light.
Anmerkung: "green light": Flieger-Jargon für "freigegeben zur Landung"

Das ist zu diesem Zeitpunkt vermutlich Iriyas Methode, "okay" zu sagen – sie verwendet mehr und mehr Flieger-Jargon während ihrer Autismus-Phase.

Schild: Zimmer frei
Wörtlich "maboromi" = "Übernachtung".
Iriya: Was bedeutet "orange pekoe"?

Das war die Teesorte aus der Bäckerei, die Iriya und Akiho in Episode 4 besucht haben.

Schild: Aus aktuellem Anlass geschlossen.
Schild: Der Inhaber
Iriya: "orange pekoe", "Erdbeerparfait", …

Sie wusste die Bedeutung dieser Begriffe noch in Episode 4! Naoyuki begreift nicht, was Iriya hier dem Zuschauer vermittelt: "Ich habe einen Teil meines Gedächtnisses verloren."

Naoyuki: Ich glaube, das ist irgend so eine Teesorte.
Naoyuki: Sag mal, Iriya:
Naoyuki: Wer bin ich?

Naoyuki behandelt die nicht mehr zurechnungsfähige Iriya entsprechend vorsichtig, wie ein kleines Kind – aus der Information, für wen sie ihn gerade hält, kann er Schlüsse darauf ziehen, was ihre sonstigen Äußerungen zu bedeuten haben. Wir werden sofort ein entsprechendes Beispiel zu sehen bekommen:

Iriya: Akiho.
Iriya: Wenn ich Daten sammele und einen Artikel darüber schreibe, dann bin ich für den Club genauso wertvoll wie Asaba.

Hier erfährt Naoyuki nun endlich, was zwischen Akiho und Iriya in Episode 4 tatsächlich vorgefallen ist.


Iriya sitzt auf einem Hausdach und spricht in einer völlig unverständlichen Sprache, anscheinend mit sich selbst:

Naoyuki: Iriya?
Naoyuki: He, Iriya!
Iriya: Buddy Spike.
Anmerkung: "buddy spike": US-Flieger-Slang – ein befreundetes Flugzeug via Radarpeilung in Abschussposition nehmen (um den nachlässigen Kollegen darauf aufmerksam zu machen, dass ein Feind dasselbe hätte tun können)

In diesem "Buddy Spike"-Modus hat Iriya vermutlich Erika überwacht, als deren Black Manta seine Fehlfunktion zeigte… auf Naoyuki bezogen könnte sie ausdrücken wollen: "Ich habe Dich im Visier."

Naoyuki: Hör mal, Iriya… komm da runter. Das ist doch gefährlich.

Iriya ist das aber so gewohnt. Deshalb ist sie ja auch als "Gespenst der Grundschule" beobachtet worden.

Iriya: Sakisaka,…
Iriya: … weißt du, wie man um ein Lagerfeuer tanzt?

Das Mädchen hält Naoyuki nun also für Sakisaka Eri, die wir in Episode 3 kurz gesehen haben und die wie in Episode 6 noch erleben werden.

Iriya: Shiina hat mir gezeigt, wie das geht.
Iriya: Ich habe ganz lange dafür geübt!

Wieder ein Puzzle-Teil aus Iriyas gemeinsamer Vergangenheit mit Naoyuki, von welchem dieser nun zum ersten Mal aus ihrem eigenen Mund erfährt.

Iriya: Wenn ich mit Asaba um das Lagerfeuer tanze, muss ich das können.
Iriya: Sakisaka, erzähl mir, wie das ist mit diesem Lagerfeuer!
Naoyuki: Iriya, welches Datum haben wir heute?
Naoyuki: Weißt du das nicht?

Iriya ist verunsichert und denkt nach:

Iriya: Doch, das weiß ich…
Iriya: Heute ist der 21. September.
Iriya: Morgen beginnt das Schulfest.
Iriya: Und übermorgen ist der Tanz um die Lagerfeuer.
Iriya: Enomoto hat mir versprochen, dass ich an diesem Tag keinen Einsatz fliegen muss.
Iriya: Sag mal…
Iriya: Sakisaka, kannst du gut tanzen?

Schild: Shishigamori-
Schild: Verkehrsbetriebe
Schild: Bahnhof Shishigamori
Schild: Shishigamori-Rundlinie

Wieder stehen die beiden an einer Bushaltestelle:

Naoyuki: Iriya.
Iriya: Verschwinde.
Naoyuki: Hör mal…
Iriya: Du nervst.
Naoyuki: He, Iriya – wer bin ich?
Iriya: Shiina.
Iriya: Ich dachte mir schon, dass ihr mir einen Aufpasser mitgeben werdet.

Und den kann Iriya in diesem Moment ganz sicher nicht brauchen.

Iriya: Was soll der Mist?
Naoyuki: Äh…
Naoyuki: Was für ein Tag ist heute?
Iriya: Der erste Sonntag des zweiten Semesters des Schuljahres.

An diesen Tag kann auch Naoyuki sich genau erinnern: Das war der Tag seines ersten Date mit Iriya! Die Bahnhofsuhr zeigt 6:57 Uhr…

Naoyuki: Ich dachte, du bist erst um 10 Uhr mit Asaba verabredet?
Naoyuki: Jetzt ist es nicht mal 7 Uhr, und der Film beginnt erst um halb 11…
Iriya: Na und?

Naoyuki versucht, Iriya auszureden, die nächsten drei Stunden an dieser Bushaltestelle zu verbringen:

Naoyuki: Egal, wie lange du wartest, Asaba wird nicht kommen.
Iriya: Er kommt ganz bestimmt!
Iriya: Er hat es mir versprochen.
Iriya: Hau endlich ab, du Idiot!

Iriya ist nicht wählerisch mit ihren Worten – sie glaubt jedoch auch, dass Shiina ihr das erste Date ihres Lebens kaputt machen will, insofern ist ihr Ärger nachvollziehbar.

Drei volle Stunden später: Asaba versucht, nun die Rolle seiner eigenen Person zu spielen, also pünktlich zu seinem Date zu erscheinen:

Naoyuki: Entschuldige bitte… wartest du schon lange?

Aber Iriya wirft ihm nur einen seltsamen Blick zu.

Naoyuki: Wer bin ich?
Iriya: Kaki.
Naoyuki: Wer soll das denn sein?

Gute Frage – das ist ein Charakter, der in der gesamten Serie nicht explizit auftritt.

Iriya wartet unerschütterlich noch zwei weitere Stunden lang. Naoyuki sieht schließlich, wie sie zusammengesunken an der Haltestelle sitzt, aber:

Naoyuki: Iriya!
Iriya: Fass mich nicht an!
Iriya: Ich bin in Ordnung.
Iriya: Verschwinde.

Iriya wartet auch den gesamten Nachmittag. Weitere viereinhalb Stunden später – Naoyuki sitzt mit Kouchou im Arm ein paar Meter von Iriya entfernt, als ihn die Bahnhofsvorsteherin anspricht:

StationWoman: Was treibt ihr beiden denn hier die ganze Zeit?
StationWoman: Also hör mal…
StationWoman: Ich will mich ja nicht einmischen oder so,…
StationWoman: …aber das ist ja langsam nicht mehr mit anzusehen.
StationWoman: Was um alles in der Welt läuft hier eigentlich ab?
StationWoman: Das Mädchen wartet doch auf dich, oder?

Tja, interessante Frage. Würde Iriya Naoyuki als denjenigen erkennen, mit dem sie verabredet war, dann würde die Antwort "ja" lauten – aber so, wie die Dinge liegen:

Naoyuki: Nein.
Naoyuki: Iriya wartet auf Asaba.
StationWoman: Na, wenn das so ist, dann hole diesen Asaba doch einfach her.

Naoyuki zögert – so einfach ist das leider nicht…

StationWoman: Was hast du denn?
Naoyuki: Er ist sehr weit weg von hier.

In der Tat – wenngleich nicht im räumlichen Sinne, wie die Frau diesen Satz zweifellos auffassen wird.

StationWoman: Meine Güte – dann ruf ihn eben an.
StationWoman: Wenn sie miteinander reden können, dann wird sie ihn schon verstehen.

Das bringt Naoyuki auf eine Idee – Mobiltelefone hat er genügend bei sich…

Naoyuki: Hm?
Naoyuki: Was hast du denn jetzt vor?
Naoyuki: Ich werde Iriya anrufen.
StationWoman: Moment mal…
StationWoman: Was soll das denn bringen?
Naoyuki: Ich bin Asaba.

Naoyuki muss ihr nun irgendwie erklären, dass Iriya ihn nicht erkennt, wenn er zu ihr hingeht, dass er aber die Hoffnung hat, ihre Erinnerung zu erreichen, wenn sie ihn nicht sieht, sondern nur seine Stimme hört. Dazu muss die Frau allerdings mitspielen und eines der Mobiltelefone zu Iriya hinübertragen. All dies ist dem Jungen offenbar gelungen:

StationWoman: Asaba-kun hat mich gebeten, dir das zu geben.

Nun wählt Naoyuki die Nummer dieses Mobiltelefons:

Naoyuki: Hallo?
Iriya: Asaba?

Es hat tatsächlich geklappt! Aber der Junge will ganz sicher gehen:

Naoyuki: He, Iriya – wer bin ich?
Iriya: Asaba. Ich erkenne deine Stimme.
Naoyuki: Ähm… tut mir Leid, dass ich dich so lange habe warten lassen.
Naoyuki: Ich hätte dich schon früher anrufen sollen.
Iriya: Ist schon in Ordnung. Ich bin…

Naoyuki erinnert sich an sein Date: Damals hatte Iriya dasselbe gesagt und ihm ebenfalls verschwiegen, wie viele Stunden sie bereits gewartet hat.

Iriya: Ich bin gerade erst angekommen.
Iriya: Asaba, wo bist du gerade?
Naoyuki: Ich bin sehr weit weg von dir.

Erstaunt, aber auch gerührt, hört die Bahnhofsvorsteherin Naoyuki bei diesem Gespräch zu.

Naoyuki: In der Zwischenzeit ist ganz schön viel passiert.
Naoyuki: Wirklich eine ganze Menge…

Kann man so sagen, in der Tat.

Naoyuki: Im Moment habe ich keine Möglichkeit, zu dir zu kommen.
Naoyuki: Deshalb…
Naoyuki: Deshalb kann ich heute diesen Film leider nicht mit dir zusammen ansehen, Iriya.

Naoyuki bricht in Tränen aus bei der Erinnerung an die glücklichen Zeiten, die er mit Iriya zusammen erlebt hat.

Iriya: Ich verstehe schon.
Naoyuki: Es tut mir furchtbar Leid, dass ich dich so lange habe warten lassen.
Iriya: Das ist nicht so schlimm.
Iriya: Asaba, kommst du morgen in die Schule?
Naoyuki: Äh – ja.
Iriya: Dann komme ich auch.
Naoyuki: Alles klar – dann sehen wir uns also morgen in der Schule.
Iriya: Vielen Dank.
Iriya: Danke, dass du mich angerufen hast, damit ich auch an einem Sonntag mit dir reden kann, Asaba.
Iriya: Ich bin froh, dass ich gewartet habe.

Doch nun ist das Mädchen am Ende ihrer Kräfte und bricht zusammen:

Naoyuki: Iriya?
Naoyuki: Iriya!

Im Bahnhof von Shishigamori, im Büro der Vorsteherin:

Schild: Bahnhofs-Büro
StationWoman: Also heute könnt ihr hier übernachten.

Und Iriya liegt bereits schlafend auf einer Bank im Bahnhof.

StationWoman: Aber morgen werde ich euch bei der Polizei abliefern.
StationWoman: Ich denke, das wird das Beste sein.

Keine schlechte Idee – sie hat ja beobachten können, wie hilflos Naoyuki angesichts Iriyas Zustand ist.

Naoyuki: Äh, also…

Der Junge ist zweifellos nicht dieser Meinung – dann wäre die gesamte Flucht ja sinnlos gewesen:

Naoyuki: Wir hauen ab, sobald die Sonne aufgeht.
Naoyuki: Wir wollen Ihnen keinen Ärger machen.
Naoyuki: Wenn das nicht geht, dann können wir auch sofort verschwinden.

Dazu müsste er die erschöpfte Iriya wieder aufwecken… aber alles wäre besser, als sich erwischen zu lassen.

StationWoman: Und wohin wollt ihr?
Naoyuki: Zum Haus meiner Großeltern.
AnY-Spork meint: "Zum Haus des Großvaters eines Verwandten" (also vielleicht ein Großonkel oder so). Was wörtlich genommen nicht viel Sinn macht, weil der dann ebenfalls ein Verwandter wäre. Laut Roman ist es Naoyukis Großvater, den die Flüchtlinge besuchen; Naoyuki sagt aber "o-baa-chan", also Großmutter, nicht Großvater.
StationWoman: Und wo ist das?

Die Frau ist gewillt, den beiden offensichtlichen Ausreißern eine Chance zu geben.

Naoyuki: Südlich von hier, in einem Dorf namens Sonokizawa.
Naoyuki: Das liegt in der Nähe eines Badesees.
"kaisei yoku" = "Gutwetterbad". AnY-Spork meint "Swimming Area", ich musste mich zwischen "Freibad" und "Badesee" entscheiden.
StationWoman: Und wie wollt ihr es bis dorthin schaffen?
StationWoman: Das ist doch ganz schön weit entfernt vom nächsten Bahnhof.

Klar – als Bahnhofsvorsteherin denkt sie nicht in denselben Dimensionen wie ein Landstreicher.

Naoyuki: Vom Bahnhof aus können wir doch mit dem Bus weiterfahren…

Doch Naoyukis Planung basiert auf inzwischen nicht mehr gültigen Informationen:

StationWoman: Hast du es nicht mitbekommen?
StationWoman: Der Betrieb sämtlicher Buslinien ist heute eingestellt worden.
StationWoman: Und die Züge transportieren schon seit gestern keine Passagiere mehr.
StationWoman: Hast du vergessen, dass wir uns im Krieg befinden?
StationWoman: Das Eisenbahnnetz untersteht längst der Kontrolle des Militärs.
StationWoman: Auch Benzin wird nur noch gegen spezielle Bezugsscheine ausgegeben.

Und endlich stellt die Frau diejenigen Fragen, welche sie schon die ganze Zeit beschäftigen:

StationWoman: Wieso nehmt ihr das alles überhaupt auf euch?
StationWoman: Wieso hat dieses Mädchen weiße Haare?
StationWoman: Wer seid ihr beiden überhaupt?
Naoyuki: Das darf ich Ihnen nicht sagen.
StationWoman: Wieso?
Naoyuki: Wenn ich es tun würde, dann würden Sie eine Menge Ärger bekommen.

Damit hat Naoyuki einen Volltreffer gelandet – denn dies bringt die Frau letzten Endes davon ab, ihre staatsbürgerliche Pflicht zu tun und die beiden Ausreißer der Polizei zumindest zu melden.

StationWoman: Also eines will ich jetzt mal klarstellen:
StationWoman: Untersteht euch, mich in irgendwas mit hinein zu ziehen!

Kein Wunder – sie hat hier eine wichtige Stellung und will diese nicht aufs Spiel setzen.

StationWoman: Mir ist egal, was von jetzt an mit euch passiert.

Naoyuki beeilt sich, die ausgestreckte Hand zu ergreifen, schießt dabei aber leicht über das Ziel hinaus:

Naoyuki: Ich werde niemandem erzählen, dass wir hier waren, selbst wenn sie mich foltern würden…
StationWoman: Foltern?

Die Frau grinst:

StationWoman: Das wollen wir doch gleich mal überprüfen.
StationWoman: Mal sehen, was du so aushältst.
StationWoman: Einverstanden?
Naoyuki: Na gut…
StationWoman: Liebst du dieses Mädchen?

Naoyuki wird erkennbar rot…


Und die Bahnhofsvorsteherin hat anscheinend ein weiches Herz:

Schild: Shishigamori
StationWoman: Heute Nacht wird der Militärtransportzug Nr. 1 hier durchfahren.

Naoyuki und Iriya stehen Hand in Hand am Bahnsteig und warten.

StationWoman: Laut Fahrplan erreicht er diesen Bahnhof um 01:32 Uhr früh.
Iriya: Da kommt er.
StationWoman: Dieser Zug wird von einem Computer gesteuert.
StationWoman: Ich muss dem Zug ein Bestätigungssignal senden, damit er seine volle Geschwindigkeit aufrechterhält.
StationWoman: Wenn ich das versäume, dann wird er langsamer fahren, und ihr habt eine Chance, aufzuspringen.
Das ist die Version aus dem Roman. Die AnY-Spork-Version (die Kinder müssen dem Zug ein Stop-Signal senden!) würde voraussetzen, dass Iriya das entsprechende Gerät zum Senden des Funksignals bauen kann – und dazu fehlen ihr trotz ihrer militärischen Elektronik-Ausbildung sowohl das Material als auch möglicherweise entsprechende Kenntnisse (Sendefrequenz etc.). Dass die Stationsvorsteherin einfach so tut, als sei sie im Dienst eingedöst, ist die weitaus plausiblere Erklärung für das Abbremsen des Zugs.

Der Zug fährt an den beiden vorbei; Naoyuki rennt los und zieht Iriya mit sich.

Naoyuki: Schneller!

Er wirft seine Tasche auf den Zug:

Naoyuki: Schließ die Augen und lauf, so schnell du kannst!
Naoyuki: Ich zähle bis drei, dann springst du!

Naoyuki ergreift eine Metallstange auf einem der Wagons und beginnt zu zählen:

Naoyuki: Eins,…

Naoyukis linke und Iriyas rechte Hand sind fest zusammengebunden, damit er sie mit Schwung auf den Wagon befördern kann.

Naoyuki: …zwei,…

Die Bahnhofsvorsteherin blickt den beiden hinterher:

Naoyuki: …drei!

Und es hat tatsächlich geklappt. Naoyuki und Iriya blicken vom Wagon aus zurück:

Iriya: Die war aber nett…
Iriya sagt auf Japanisch "furendori", das Lautbild zu "friendly", freundlich/sympathisch. Vielleicht bezieht sich auch dies auf einen militärischen Begriff – die Bahnhofsvorsteherin hat als "Verbündete" die Flucht der beiden unterstützt.

Und die Bahnhofsvorsteherin freut sich, dass die gefährliche Aktion gut ausgegangen ist.


Wie am Anfang der Episode sehen wir erneut das Schiff, welches die Wellen durchpflügt. Iriya erinnert sich an ihre Zeit auf See und erzählt von einem Gespräch dort – welches allerdings in dieser Form nie statt gefunden hat (wie wir aus dem Roman wissen).

Iriya: Erika, kannst du schwimmen?
Erika: Na klar doch.
Iriya: Enomoto hat gesagt, wenn ich in die Schule gehe, dann könnte ich im Pool schwimmen.

Denn Enomoto weiß, dass Iriya schwimmen lernen will, weil ihre beste Freundin Erika eine gute Schwimmerin ist. Enomoto will, dass Iriya mehr soziale Kontakte knüpft und auf diese Weise etwas findet, wofür sie Verantwortung übernehmen und letzten Endes kämpfen will – da wäre die Schule ein guter Anfang.

Erika: Und damit hat Enomoto völlig Recht.
Iriya: Aber ich werde nicht in die Schule gehen.
Iriya: Ich will nicht.
Erika: Willst du denn nicht zum Pool gehen?
Iriya: Doch.

Iriya ist innerlich hin und her gerissen. Sie löst diese Konflikt dadurch, dass sie sich einredet, Erika habe ihr folgendes geraten:

Erika: Na, dann schleich doch einfach in die Schule und schwimm ein bisschen.

Hier haben wir die Erklärung dafür, wieso Naoyuki in Episode 1 Iriya am Schwimmbecken getroffen hat.

Iriya: Schließlich habe ich etwas herausgefunden:
Iriya: Wenn ich meine Worte komprimiere,…
Iriya: …dann kann ich mit Erika immer noch reden, auch nachdem sie ein Geist geworden ist.
Iriya verwendet den Begriff "yuurei" für Gespenst / Geist / Erscheinung / Phantom.
Naoyuki: Komprimieren, sagst du?
Iriya: Ich meine: Ganz viel Information in ein einzelnes Zeichen stecken.
Iriya: So ähnlich wie bei den Kanjis.

Solche Fähigkeiten (die Entwicklung einer eigenen Sprache) sind durchaus typisch für autistische Menschen.

Naoyuki: Kannst du das noch einmal sagen?

Und Iriya tut es. Was sie sagt, ist japanisch, aber rückwärts abgespielt! Wir haben die Tonspur invertiert und die meisten Silben identifizieren können, aber sie ergeben keine sinnvollen Sätze. Es sind (wahrscheinlich) einfach japanische Worte bzw. Wortfetzen aneinandergereiht.

Naoyuki: Und worüber redest du so mit diesem Geist… mit dieser "Erika"?

Iriya senkt ihren Kopf und antwortet nicht.

Naoyuki: Iriya…
Iriya: Das kann ich dir nicht sagen.
"naisho" kann sowohl "Geheimnis" als auch "Privatangelegenheit" bedeuten, deshalb habe ich eine entsprechend vage Übersetzung gewählt.

Würde Iriya hier mehr erzählen, dann müsste sie sich der Erinnerung stellen, wer Erika war und warum sie ein Geist geworden ist. Ihr Verdrängungsreflex lässt solche Fragen aber nicht an ihr Bewusstsein heran kommen.


Naoyuki und Iriya haben ein Ufer erreicht:

Iriya: Das Meer.

Iriya stochert im Wasser herum; sie findet Seetang und eine Muschel, doch dann erschrickt sie: Sie hat ein Buch gefunden! Und das erinnert sie an etwas…

Naoyuki: Iriya…

Doch Iriya weicht vor dem Jungen zurück.

Naoyuki: Was ist los?
Iriya: Morgen gehe ich in die Schule.
Iriya: Ich habe mich entschieden.
Iriya: Ab morgen werde ich in die Schule gehen.
Naoyuki: Iriya, wer bin ich?
Iriya: Enomoto.

Naoyuki ist enttäuscht; Iriya ist wieder in eine ihrer Erinnerungen abgeglitten.

Iriya: Ich habe zwar die ganze Zeit gesagt, dass ich nicht dorthin gehen will.
Iriya: Aber jetzt will ich es doch.
Iriya: Selbst wenn du es mir verbieten würdest, würde ich trotzdem hingehen.
Iriya: Ab morgen werde ich in die Schule gehen.
Naoyuki: Und warum?
Iriya: Weil dort jemand ist, den ich gern habe.

Iriya bricht zusammen, und Naoyuki ist erschüttert. Damit ist nun also auch die letzte ungeklärte Entscheidung von Iriya transparent geworden: Ihr erstes Treffen mit Naoyuki, der sie vor dem Ertrinken bewahrt und ihr Schwimmunterricht gegeben hat, war ausreichend dafür, ihre Entscheidung gegen die Schule zu widerrufen und Enomotos Wunsch nicht nur nachzugeben, sondern ihre Teilnahme am Unterricht sogar vehement einzufordern.

Im Roman träumt Naoyuki an dieser Stelle davon, das eigentliche Ziel der beiden sei eine kleine Insel in der Südsee, wo er als Friseur arbeiten würde. Er und Iriya würden heiraten, und eines Tages würden sie ihren Enkelkindern erzählen, wie sie vor langer Zeit auf diese Insel kamen…


Schlussszene von Episode 5 und Anfangsszene von Episode 6 (mit identischen Texten):

Einer der Militär-Transporter hält vor einem Haus in einem kleinen Dorf; durch das abgehörte Telefonat mit den Großeltern Asaba wusste Enomoto, wohin Naoyuki und Iriya wollen, und wartet dort bereits auf sie.

Naoyuki hat offenbar den Großvater zu Hilfe geholt, weil er selbst Iriya nicht mehr tragen kann. Großvater hat sich die erschöpfte Iriya auf die Schulter geladen; sein Enkel trägt die Tasche. Opa Asaba meldet sich bei seiner Frau zurück:

Opa: Misae, da sind wir wieder.

Naoyukis Großmutter erkennt, was der mitgenommene Junge am dringendsten braucht:

Oma: Nao-chan, das Bad ist gleich fertig.
Oma: Zieh doch schon mal deine Sachen aus.
Opa: Genau. Beeil dich, sonst erkältest du dich noch.
Opa: Ich bringe die junge Dame schon mal auf ihr Zimmer.
Oma: Beeil dich mit dem Umziehen. Der Tee ist schon fertig.
Oma: Ich war ganz schön überrascht, als du uns so plötzlich angerufen hast…

Dies erklärt, wieso Naoyukis Großeltern so gut auf den Besuch vorbereitet sind.

Und es erklärt auch, wieso Naoyuki im Wohnzimmer den bereits wartenden Enomoto plus Begleiter antrifft: Dessen Leute haben die Telefonleitungen aller Verwandten von Naoyuki abgehört, nachdem die beiden Jugendlichen weggerannt waren – beliebig lange würden diese alleine und ohne Unterstützung ja wohl kaum durchhalten können.

Enomoto: Hallo – da bist du ja endlich.

Enomoto verbirgt seine enorme Erleichterung. Der "Ausflug" der beiden Jugendlichen hat voraussichtlich die Beziehung zwischen ihnen gestärkt, aber Japan mehrere Tage ohne seine wichtigste Verteidigungswaffe zu belassen, weil Naoyuki die Wanze aus seinem Hals entfernt hatte, stand sicherlich nicht auf Enomotos Agenda.

Vorwort Episode 1 Episode 2 Episode 3 Episode 4 Episode 5 Episode 6 Analyse


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